SCHÖN, DASS SIE REINSCHAUEN ...
... hier erscheinen in unregelmässiger Folge Heiteres, Albernes, aber auch bissige Satire















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2012/02/25

Ich bin doch nicht abergläubisch!


Heute morgen auf dem Weg zum Bäcker: ein Ladenschild wird gereinigt, ich muss unter der Leiter durch oder den Gegenverkehr abwarten. Zu letzterem habe ich keine Lust. Als ich unter die Leiter trete, schrecke ich zurück: eine Spinne lässt sich gerade vor meinem Gesicht herunter. Warte also bis, der Weg frei ist und gehe um die Leiter herum.

Vor dem nächsten Hauseingang sitzt eine schwarze Katze und macht Miene, direkt vor mir über den Weg zu laufen. Ich blicke sie hypnotisierend an, sie guckt frech zurück. Schwitzend vor Aufregung passiere ich die Gefahr. Das Tier bleibt sitzen.

Im Bäckerladen schnappe ich mir zuerst eine Zeitung vom Tresen und studiere zitternd mein Horoskop. Es ist ausgesprochen positiv, und beruhigt trete ich mit meinen Brötchen den Heimweg an. Das schwarze Monster hat tatsächlich gelauert, bis ich zurückkomme. Viel mutiger als vorhin blicke ich ihr in die Augen. Das scheint ihr nicht zu gefallen, denn sie macht „Mau!“ und springt mir zwischen die Beine. Ich stolpere und die Brötchen fliegen in den Dreck.

Soll ich zurück zum Bäcker und das Horoskop reklamieren? Nein, ich habe auch meinen Stolz. Und schließlich bin ich nicht abergläubisch.

2011/12/11

... und nun die Vorhersage der Lottozahlen!

Ich bin eine abscheulich schlechte Menschin! Herz- und gefühllos, gemein und abschaumig. Es gibt auf dieser Welt eine Person, die mich anfleht, mir helfen zu dürfen, aber ich lasse es widerwärtigerweise nicht zu. Wer das ist? Keine Ahnung. Ihr Name klingt weiblich, aber in dem Metier kann es ebensogut ein Er, Es oder Roboter sein. Dieses Subjekt also macht seine Sache sehr geschickt, selbst ich erfahrene alte Hexe muss das zugeben. Und doch bin ich so fies, nicht zu reagieren.

Worum es geht? Eine Wahrsagerin, Medium, Astrologin oder was auch immer - belästigt, will sagen belustigt mich seit Wochen per E-Mail. Sie(?) will mein Problem lösen, sogar Probleme, die ich gar nicht habe - sowas Nettes! Sie hat 13 Stunden lang meine Sterne analysiert - ohne Auftrag, völlig auf blauen Dunst hin - sowas Fleißiges! Ein paar Absätze weiter waren es sogar mehrere Tage. Sie(?) wird alles in ihrer Macht (Hört, hört!) Stehende tun und nicht ruhen, bis mein Glück vollkommen ist. Sowas Selbstloses! Dreizehn Stunden, jaja: hätte sie mal auf die Zahl geachtet. Ihr Radar oder womit immer sie arbeitet, hätte ihr schon sagen müssen, dass sie damit bei mir kein Glück hat.

Jedenfalls werde ich bald im Reichtum schwimmen. X hat mir das genaue Datum mitgeteilt, von dem ab ich sowohl dreißig Tage, als auch drei Monate UND auch sechs Monate Glück haben werde. Ich fürchte, soviel geballtes Glück kann ich gar nicht vertragen. Aber dann hat X bestimmt auch eine Lösung für mich parat.

Mein Leben wird eine entscheidende Wende nehmen, denn so günstig standen meine Sterne noch nie. Toll, nicht wahr? DOCH DA! Fernes Donnergrollen grummelt gräßlich am Horizont. Der Odem erstarrt vor Grauen! Grimmig dräuend lauert Grundböses in meiner Nähe, das mir dieses Glück nicht gönnt. Grell grinst der Grusel aus der Gruft und greift mit graugrünen Griffeln grantig nach meinem grandiosen Geschick. Nicht grübeln, noch greinen: denn großherzig und gütig wölbt sich Xs schützende Hand über mich. Flauschig-weichen, balsamduftenden Glückswolken befiehlt sie(?) mich zu kosen. Fukushima-artig strahlend gestaltet sie meine Zukunft. Genauer: sie(?) schreibt, sie(?) wird einen Schutzzauber über mich verhängen, so dass ich selig weiterträumen kann. Wirklich vielseitig, das alte Mädchen(?).

Natürlich kann ich meine bevorstehende einmalige Glücksphase nur optimal nutzen, wenn ich mich nach ihren Ratschlägen richte, is ja klar. Was mich das kostet? Weissichnich, aber sie(?) hat mir eine verbürgt zugesicherte Zusage auf Geld-Zurück-Garantie versprochen. Und dann glaube ich das natürlich auch. Sicherlich kann so ein übermenschliches Wesen meine Aura mit einem einzigen Gedanken für immer verpesten, wenn ich es wagen sollte, an ihr zu zweifeln. Auch kann ich wirklich voll auf X vertrauen, denn sie hat schon für Hunderte von Menschen das Glück beschworen.

Das ist noch längst nicht alles. Dieses Juwel der guten Feen kann sogar die Lottozahlen vorhersagen! Sie wird mir auf meinen Wunsch mitteilen, wann ich welche Zahlen spielen soll. Ihr Pech, dass ich aus Prinzip kein Lotto spiele. Und wenn ich es ausnahmsweise einmal versuche? Dann behält sie in jedem Fall Recht: wenn ich nicht gewinne, dann weil ich sie nicht nach den Zahlen gefragt habe. Sollte ich aber den Jackpot knacken, liegt es an der prophezeiten Glückssträhne.

X zerreisst sich geradezu vor Eifer, mir zu nützen. Sie(?) kann es kaum erwarten, dass ich ihr erlaube, mir zu helfen. Und das alles, obwohl nie eine Zeile von erhalten, nie von mir gehört hat. Ist das nicht süüüss? Eine Vision hat ihr übrigens mitgeteilt, dass ich eine aussergewöhnliche Persönlichkeit bin und bisher viel Pech im Leben hatte, und das könnte sie ja schliesslich nicht wissen, wenn sie keine übersinnlichen Fähigkeiten hätte. Aber ich Schloch stelle mich quer, will nichts von ihren Diensten wissen und nicht zahlen. Nu hat die Ärmste vielleicht an Weihnachten nix zu beissen und ich mache mich noch darüber lustig: nee wat bin ick boshaft! Ich verbrenne jetzt meine Kleeblattsammlung und krümele die Asche auf meine Perücke.

P.S. Letzter Stand: Wenn ich mich jetzt nicht endlich melde, kann sie(?) die mysteriöse Bedrohung vielleicht nicht länger aufhalten. Also, falls Ihr nie wieder von mir hören solltet: WISH YOU ALL THE BEST!!

2011/11/30

Katastrophenwarnung: Freitag, der 13.


Die meisten Menschen sind ein wenig abergläubisch, aber die wenigsten geben es zu. Man versucht meist verschämt, es zu verbergen. Aber was ist schon dabei, dreimal auf eine schwarze Katze zu klopfen, wenn einem freitagabends die dreizehnte Spinne begegnet? 

Wer will bestreiten, daß es ausgesprochene Glückspilze gibt, ebenso wie unwiderrufliche Pechvögel? Ich zum Beispiel bin an einem Sonntag geboren und lauere schon vier Jahrzehnte auf das Glück, das ich endlich einmal haben muss. Das ist doch das Anrecht eines Sonntagskindes, oder? 

Allmählich wird es ja Zeit für einen kleinen Ausblick auf 2012. Folgendes ist am Neujahrstag zu beachten: Kein Geflügel essen, sonst fliegt das Glück davon. Statt dessen lieber Schweinefleisch, denn dass Schweine Glück und Wohlstand bringen, weiss man ja. Das nächste Jahr ist nämlich nicht ganz ohne: gleich drei mal wird es einen Freitag, den 13. geben: im Januar, April und im Juli. Sehr selten und besonders gefährlich ist der im April. Da bildet die Quersumme aller Ziffern des Datums auch eine 13 (1+3+4+2+0+1+2=13). Als Vorsorge für diesen Tag des Schreckens empfehle ich, das Bett mit einem Schutzdach und einem Sicherheitsgurt zu versehen und den ganzen Tag darin zu verbringen.