... hier erscheinen in unregelmässiger Folge Heiteres, Albernes, aber auch bissige Satire
2012/08/30
Der Gast des Kornwucherers - Sage
2012/07/24
Enten auf der Flucht
2012/07/09
Mal wieder ein paar Witze
Am nächsten Tag prügelt sich Fritzchen auf dem Schulhof mit Maik. Sie haben viele Zuschauer, und Fritzchen trägt den Sieg davon. Die Lehrerin macht ihm nach der Pause Vorhaltungen, bezüglich guter und schlechter Taten. Fritzchen ist sich keiner Schuld bewußt: "Aber ich habe doch jemanden glücklich gemacht! Sie hätten sehen sollen, wie sich Maiks kleiner Bruder gefreut hat!"
Nach der Schule hat Lolita Kopfschmerzen und ist gereizt. "War es denn heute so schlimm in der Schule?" fragt die Mutter. "Ätzend! Musik und Zeichnen sind ausgefallen, und stell dir vor, dafür hatten wir drei Stunden Englisch!" "Dann stell dir mal vor, wie die Engländer leiden müssen", erwidert die Mutter, "die haben es den ganzen Tag!"
Vater und Sohn fahren mit dem Zug. Die Landschaft zu betrachten, wird dem Jungen schnell langweilig, und Papa muss sich etwas einfallen lassen. Da nimmt er dem Sohn die neue Mütze vom Kopf und tut, als würfe er sie aus dem Fenster werfen. Wenig später zaubert er sie aus der Gepäckablage. Der Junge ist begeistert, dass sein Vater hexen kann, reisst sich die Mütze nochmals vom Kopf, ruft: "Zaubere noch einmal, Papa!" und wirft sie aus dem Zugfenster.
Die Everts sitzen gemütlich beim Fernsehabend, doch immer wieder ruft die kleine Emma nach der Mutter. Sie kann nicht schlafen, ihr ist so warm, sie hat Hunger, sie muss mal. Mutter Evert hat bisher kaum etwas vom Film mitbekommen und sagt gereizt: "Wenn du noch einmal Mami rufst, setzt es was!" Kaum sitzt sie wieder auf dem Sofa und kuschelt sich an Vater Evert, da erschallt es laut und deutlich: "Frau Evert, kann ich was zu trinken haben?"
2012/07/04
Der Kritzenower Mönkenberg
Sage aus Mecklenburg
Südöstlich von dem Dorfe Kritzenow, ungefähr dreiviertel Meilen von Rostock entfernt, liegt ein Berg, der Mönken- oder Hexenberg genannt wird. Darin wohnten Zwerge, ein harmloses Völkchen, welche mit den Menschen in Frieden lebten. Oft erwiesen sie sich dienstfertig, reizte man sie aber, mußte man ihre Rache fürchten.
2012/06/01
Das Zwergenfrühstück
Und der andere antwortete: "Mir kommt es auch so vor, gewiß backen und brauen die Unterirdischen!"
Darauf wieder der Erste:" Ich habe Hunger und Durst, ob sie uns wohl etwas abgeben?"
2012/05/31
Lichter in der Nacht
2012/05/27
2012/05/10
Die Möncken im Rummelsberge
Der Vater aber, der wußte, dass es nicht gut sei, die Unterirdischen zu foppen oder gar zu bestehlen, und auch, dass die Tafel nicht eher wieder verschwinden könnte, bis das Messerchen zurück sei, befahl dem Knaben mit ernster Miene, es wieder dorthin zu tragen, wo er es fortgenommen. Der Knabe gehorchte, und alsbald war die Tafel verschwunden.
Noch viele Geschichten werden von den Möncken erzählt, wodurch es aber gekommen, dass die Unterirdischen den Verkehr mit den Menschen gänzlich abgebrochen, erzählt diese:
Eines Tages bat das Kind seine Pflegemutter, sie solle ihm einmal etwas zeigen, das es noch nie gesehen hätte.
Da nahm die Frau ein Ei, zerschlug es und richtete es an, wie es bei den Bauersleuten Sitte ist. Dann reichte sie dem Kinde die Speise. Der kleine Unterirdische aber wollte sie nicht essen, stieß sie zurück und rief: "Ick bün so old as böhmen Gold, äverst sowat hev ick min Lebtag nich sein!"
Da wurde die Frau böse und züchtigte das Kind. In der Nacht darauf holten dieMönken das Kind und haben dann auch nie wieder eines gebracht und sich nicht mehr von den Menschen sehen lassen.
2012/05/02
Die Watermöhm
2012/04/18
Witze
Im Geschichtsunterricht. „Welcher römische Kaiser war geisteskrank?“ Fritzchen: „Hasso!“ Lehrer: „Du meinst wohl Nero?“ Fritzchen: „Ja, irgend so ein Hund war es.“
2012/04/11
Der gottlose Fischer von Waren
Sage aus Mecklenburg
In Waren lebte einst ein Fischer, der war ein schlechter, gottvergesener Kerl. Aus Habsucht hatte er sich eine bucklige, schwächliche Person zum Weibe genommen, weil sie ein hübsches Vermögen besaß. Nun wollte er sie möglichst schnell wieder loswerden, um sich ungehindert ihres Geldes erfreuen zu können, das sie ihm schon vor der Hochzeit hatte verschreiben müssen. Er behandelte das unglückliche Geschöpf auch fürchterlich schlecht und stieß und prügelte sie alle Tage, hoffend, der Tod würde ihn so desto eher von ihr befreien.
"Ein Kreuz, ein Leid, ein bucklig Weib
hat mir der Herr gegeben.
Nimm's Kreuz von mir, nimm's Weib zu dir,
dann kann ich ruhig leben."
Als er nun eines Tages zum Fischen auf die Müritz hinausfuhr, dort bei Sturm und Wellenschlag wieder sein Lied anstimmte und dabei weidlich auf Gott schimpfte, dass er seinen Wunsch noch immer nicht erfüllt hätte, ereilte den Frevler des Höchsten strafender Arm. Ein Wirbelwind erhob sich, warf den Kahn um und stürzte den Mann in die Fluten, wo er ein schmähliches Ende fand.
Sein Weib aber lebte noch lange Jahre in Ruhe und Frieden, welchen sie an der Seite des gottlosen Gatten nie gekannt.
2012/03/12
Witze
Kaffeezeit bei Schulzes. Der mopsige Paul:"Kann ich noch mehr Kuchen haben?" Die Mutter legt ihm zu dem ersten ein weiteres Stück auf den Teller. Paul guckt den Kuchen an und wartet.
"Nun", sagt die Mutter, "warum isst du nicht?"
Paul druckst erst herum, dann sagt er: "Ich möchte vier Stücke."
"Kannst du haben", sagt die Mutter, nimmt das Messer und teilt jedes Stück in der Mitte durch.
Maximilian erzählt in der Schule: "Mein Papa hat ein neues Auto."
Der Lehrer: Da ist dein Vater sicher stolz auf den schönen neuen Wagen."
"Ja, er hat die ganze Nacht in der Garage verbracht. Das Auto hat jetzt eine noch schönere Farbe und auch neue Nummernschilder!"
In der Schule werden die Sinnesorgane behandelt. Der Lehrer fragt: "Wozu sind die Ohren notwendig?"
Klein Fritzchen: "Damit wir sehen können."
"Unsinn, Fritzchen, mit den Ohren kann man doch nicht sehen."
"Das nicht, aber sonst würde uns die Mütze über die Augen rutschen."
In der Grundschule. Der Lehrer erklärt den Kindern, dass es nicht schön ist, sich selbst zu loben: "Eigenlob stinkt".
Da meldet sich Sofia: "Herr Müller, Ronny lobt sich."
Ein kleines Mädchen steht laut heulend auf der Straße. Da fragt eine ältere Dame: "Warum weinst du denn so sehr, meine Kleine?"
"Ich brauche fünf Euro, damit ich zu meiner Familie kann!" Die Dame nestelt schon mitleidig an ihrem Täschchen, fragt aber: "Wo ist denn deine Familie?"
"Im Kino!"
Ricardo konnte wegen furchtbarer Bauchschmerzen leider die Mathearbeit nicht mitschreiben. In der nächstan Stunde ist Schwimmen, und es geht ihm urplötzlich wieder gut.
Der Lehrer sagt: "Du kannst nicht Schwimmen gehen, wegen deinen Bauchschmerzen."
Ricardo darauf: "Oooch, ich kann ja auf dem Rücken schwimmen."
2012/03/06
Die Kemlade - Sage aus Mecklenburg
Hier war vor Jahrhunderten ein Dorf, das gehörte Herrn Kramon. Er gebärdete sich als frommer Mann, machte Schenkungen an Kirchen und Klöster und liess in Barkow, das keine Kirche hatte, eine Kapelle bauen. In Wirklichkeit war er jedoch ein böser Mensch und ein hartherziger und grausamer Herr für seine Leibeigenen.
Als diese einst um Brot schrien, liess er sie in eine Scheune sperren und legte mit eigener Hnad Feuer daran. Als die Verbrennenden schrien und stöhnten, höhnte er: "Hört, wie die Ratten schreien, die mein Korn stehlen wollten!"
Nicht lange aber, nachdem die Scheune niedergebrannt war, wurde das Gut von einer Unzahl an Ratten heimgesucht. Um ihnen zu entfliehen, liess er sich eine Kemlade in den See bauen, doch die Ratten schwammen hinüber und liessen ihm keine Ruhe und nichts zu beißen. So floh er endlich und verließ das Land seiner Väter.
*Kemlade hier: Mittelalterliches turmartiges Wohnhaus adliger Familien, das in ein Gewässer oder Moor gebaut wurde (später wurden auch hofseitige Anbauten der bürgerlichen Giebelhäuser als Kemladen bezeichnet)
2012/03/02
Gemeingefährliche Busfahrer
Besonders macht mir zu schaffen, dass die Busfahrer offensichtlich nicht wissen, dass Fußgänger, die in derselben Richtung unterwegs sind, ebenfalls „Grün“ haben. Immer an derselben (stinknormalen) Ampelkreuzung passiert es, dass der links abbiegende Bus die Fußgänger einfach ignoriert. Einmal wurde eine Oma fast umgefahren, und als ein Fahrgast den Busfahrer darauf hinwies, dass sie Grün hätte, brüllte der (vorher schon hochrote und stets cholerische) Fahrer: „Die hat kein Grün!“ Ein Blick nach links hätte ihm gezeigt: sie hatte grün.
Vorgestern nun ein ansonsten vernünftiger, freundlicher Busfahrer, dieselbe Kreuzung, dieselbe Situation. Fußgänger hat gerade Mittelstreifen überquert und will die 2. Fahrbahn betreten, Bus fährt unbeirrt weiter, hätte den konsterniert stoppenden Mann fast gestreift. Busfahrer zuckt keine Wimper, nimmt keine Notiz. Ich konnte es nicht fassen!
Hinzu kommen unzählige Situationen, wo es um ein Haar zu Sachschaden gekommen wäre. Fazit: Vorn sitzen ist nichts für meine Nerven.
Kommunalverwaltung war 1925 genauso sparsam wie heute
Zeitungsbeitrag aus "Der Vorpommer" von Sonntag, 24. Mai 1925
Wannseebad Berlin - Seebad Stralsund Wer die letzten Berliner Zeitungen fleißig studiert hat, der bleibt immer und immer wieder bei einem Artikel hängen - Ausbau des Wannseebades Berlin. Kurkapelle, Rundfunk und Hundezwinger, Wäscheausgabe, Schwimmlehrer und 18 Wasserleitungen für Trinkwasser, Aufbewahrungsort für Fahr- und Motorräder. Belehrungsstunde und ein halbes Dutzend Bademeister usw. usw. - Alles durch den Magistrat und auf Kosten des Magistrats, alles für ein Freibad, wo bekanntlich wenig Einwohner sind!!!
Und Stralsund?? Oho - wir haben auch etwas! Rundfunk und Hundezwinger wären sehr schön, sind aber zu entbehren, Kurkapelle kann man auch noch verschmerzen! Nun aber, was wir haben? Eine Wäscheausgabe, aber nicht etwa vom Magistrat angelegt, sondern vom Pächter! Auch ein Schwimmlehrer ist vorhanden, aber nicht etwa vom Magistrat verpflichtet worden, sondern vom Pächter! Auch ein Aufbewahrungsort für die Fahrräder ist angelegt, aber natürlich durch den Pächter!
Nun das, was wir nicht haben, aber noch bekommmen. Ein Sonnenbad, aber nicht etwa durch den Magistrat, nein. Die Liegestühle und alles auf Kosten des Pächters. Auch ein Sport- und Spielplatz für die Jugend wird angelegt! Aber Reck, Barren, Sprunggestelle liefert nicht etwa der Magistrat, nein der Pächter schafft alles auf seine Kosten an! Eine Küche ist bereits eingebaut worden, aber selbstverständlich vom Pächter! Das alles haben oder bekommen wir! Nie zu vergessen: alles durch den Pächter!
2012/02/25
Ich bin doch nicht abergläubisch!
Heute morgen auf dem Weg zum Bäcker: ein Ladenschild wird gereinigt, ich muss unter der Leiter durch oder den Gegenverkehr abwarten. Zu letzterem habe ich keine Lust. Als ich unter die Leiter trete, schrecke ich zurück: eine Spinne lässt sich gerade vor meinem Gesicht herunter. Warte also bis, der Weg frei ist und gehe um die Leiter herum.
Vor dem nächsten Hauseingang sitzt eine schwarze Katze und macht Miene, direkt vor mir über den Weg zu laufen. Ich blicke sie hypnotisierend an, sie guckt frech zurück. Schwitzend vor Aufregung passiere ich die Gefahr. Das Tier bleibt sitzen.
Im Bäckerladen schnappe ich mir zuerst eine Zeitung vom Tresen und studiere zitternd mein Horoskop. Es ist ausgesprochen positiv, und beruhigt trete ich mit meinen Brötchen den Heimweg an. Das schwarze Monster hat tatsächlich gelauert, bis ich zurückkomme. Viel mutiger als vorhin blicke ich ihr in die Augen. Das scheint ihr nicht zu gefallen, denn sie macht „Mau!“ und springt mir zwischen die Beine. Ich stolpere und die Brötchen fliegen in den Dreck.
Soll ich zurück zum Bäcker und das Horoskop reklamieren? Nein, ich habe auch meinen Stolz. Und schließlich bin ich nicht abergläubisch.
2012/02/23
Das Petermännchen im Schweriner Schloss
Sage aus Mecklenburg
In den Gängen und auf den Treppen des Schweriner Schlosses geht bis auf den heutigen Tag ein Geist um, das Petermännchen genannt.
Er ist ein Zwerg und sieht recht garstig und grausig aus. Gekleidet ist er wie ein Reitersmann aus dem Dreißigjährigen Kriege und trägt einen gewaltigen Knebelbart. Seine Kleider sind grau wie der Sandstein des Schlosses, und am Gürtel hat er einen Bund verrosteter Schlüssel zu hängen. Die machen, wenn er geht, ein gewaltiges Gerassel; genau wie die mächtigen eisernen Sporen an den Stulpenstiefeln. Auf dem Kopf trägt er einen großen grauen Federhut.
Lässt das Petermännchen sich blicken, so hiess es früher, gibt es bald darauf einen Todesfall im Geschlecht derer von Mecklenburg. Es geht aber manchmal auch eine weiße Frau um, und dann darf das Petermännchen sich nicht sehen lassen. Auch in der heiligen Weihnacht darf er, wie alle bösen Gespenster, nicht umgehen. Außerdem kann man ihn mit einem krähenden Hahn in die Flucht schlagen.
Sonst ist er aber ein störrischer Gesell, der sich aus Bannsprüchen und Weihwasser nichts macht. Er soll auch schon Geistlichen, die versuchten, ihn zu bannen, Grimassen geschnitten und lose Reden wider sie geführt haben.
Lässt er sich auch selten blicken, so kann man ihn doch oft hören. Er pocht und klopft, rasselt mit den Schlüsseln, wirft die Türen und lässt ein lautes, heiseres Lachen ertönen. Begegnet man ihm doch einmal auf den engen Treppen oder in den Gängen, so spreche man schnell ein Stoßgebet. Sonst wird man gepackt, ehe man sich's versieht, und die Treppen hinuntergeworfen – wohl dem, der's mit heilen Gliedern übersteht.
Am liebsten jedoch erscheint er in der Galerie, welche sich im ersten Stock um den Innenhof zieht. Hier stapft er bei Tage wie bei Nacht in seinen großen Stiefeln herum, ficht mit den Armen und knurrt und brummt wie ein boshafter Kater. Begegnet ihm hier jemand, wirft er ihn zwar nicht von der Galerie herunter, aber bläst ihn an mit seinem grabeskalten Odem, so dass einem angst und bange wird. Derjenige bleibt wie betäubt stehen, bis ein anderer Mensch zu Hilfe kommt. Danach ist man lange krank und nicht wenige sind bald darauf gestorben.
Einen jungen Soldaten hat der Kobold einst sogar auf der Stelle getötet, weil er nicht an ihn glauben wollte. Der Bursche war erst kurze Zeit im Dienste des Herzogs von Mecklenburg, und seine Kameraden warnten ihn vor dem Petermännchen. Da lachte er und wollte nichts davon wissen. Als er nun aber allein auf Schildwache stand, da kam plötzlich der Geist direkt auf ihn zu. Er dachte, die Kameraden hätten einen Zwerg verkleidet, um ihn zum Besten zu haben; legte an und rief: „Steh und gib Antwort, du kleiner Hexenkerl, oder ich gebe Feuer!“
Da schnitt das Petermännchen eine böse Grimasse, sprang ihn an, wie es Katzen tun und gab ihm eine Ohrfeige. Da stürzte der junge Bursche zu Boden und war augenblicklich tot. Seine Kameraden aber hatten alles aus der Ferne mit angesehen.
2012/02/12
Werwölfe in Mecklenburg
Eine junge Frau, deren Mann aus rätselhaften Ursachen häufig abwesend war, schöpfte den Verdacht, dass er ein Werwolf wäre.
Eines Tages arbeiteten beide auf dem Felde. Nach kurzer Zeit schlug sich der Bauer in die Büsche und kam nicht wieder. Plötzlich aber kam ein Wolf aus dem Gebüsch gesprungen. Er lief auf die Frau zu, faßte mit den Zähnen ihren roten Rock und zerrte sie hin und her. Durch Schreien und Schlagen mit der Hacke konnte sie ihn vertreiben.
Bald darauf trat der Mann aus demselben Busche, wo der Wolf verschwunden war. Sie klagte ihm die ausgestandene Angst. Er lachte, und dabei zeigten sich steckengebliebene Wollfäden zwischen seinen Zähnen.
Die Bäuerin zeigte ihren Mann dem Richter an, und er wurde verbrannt.
2
In Vietlübbe bei Lütz lebte vor mehr denn 300 Jahren ein beherzter Bauer. Eines Tages ritt er in die Stadt, um Einkäufe zu machen. Als er auf dem Rückweg war, wurde es schon dunkel, und er musste durch einen finsteren Tann. Als er durch einen Bach ritt, dessen Ufer mit Erlengestrüpp bewachsen waren, wurde das Pferd unruhig. Schließlich wollte es nicht weiter vorwärts. Erstaunt über das ungewohnte Benehmen des Tieres, wollte er absteigen, um es am Zügel zu führen. Da sprang ein Wolf aus dem Ellerndickicht und schnappte nach dem Pferde.
Da brauchte der Bauer das Pferd nicht mehr antreiben, es lief, was es konnte, um dem Feind zu entrinnen. Doch bald war es erschöpft, der Verfolger holte es ein und sprang ihm nach der Kehle. Der Bauer aber dachte bei sich, dass es schon seit Jahrhunderten in der Gegend keine Wölfe gäbe und dass das Untier vielleicht ein Werwolf sei. Es ging nämlich ein Gerücht im Dorfe, dessen er bisher nicht geachtet hatte, von einem Nachbarn, der sich verwandelte und manche Beute nach Hause brächte.
Nun hatte unser Bauer auch gehört, dass so ein Werwolf augenblicklich seine menschliche Gestalt annehmen müsse, wenn man ihn beim Taufnamen riefe. Als daher der Wolf das Pferd zu zerfleischen drohte, rief er: „ Bist du das, Gevatter Johannes Nieber?“
Kaum waren die Worte aus seinem Munde, als der Wolf sich in einen Menschen verwandelte und sein Gevatter vor ihm stand und ihn flehentlich bat, er möge nichts nachsagen. Er wollte ihm auch nie wieder etwas zuleide tun und den Schaden, den das Pferd durch die Bisse erleiden musste, ersetzen.
Der Bauer versprach zu schweigen, ließ ihn aber zuvor geloben, sich nie wieder in einen Werwolf zu verwandeln. Man hat auch in der Gegend nie wieder etwas von einem Werwolfe gehört.
Illustration: http://www.kostenlose-grafiken.de
2012/02/08
Im galaktischen Vergnügungsviertel
Das Weltall erscheint uns so rätselhaft und fremd, vor allem aber so unfaßbar weit, daß viele Menschen seine Dimensionen am liebsten verdrängen. Wer denkt schon gern darüber nach, wie verletzlich wir sind und wie bedeutungslos; die wir uns festklammern an einem Brocken Materie, der im All weniger als ein Staubkörnchen ausmacht. Unser gerühmter blauer Planet, Alles für uns menschliche Mikroben, ist in Wahrheit ein absolutes Nichts!
„Astronomie, das ist mir zu hoch“, denken die meisten, „das kann ich sowieso nicht verstehen oder mir vorstellen.“ Diese Scheu ist jedoch völlig unbegründet. Das Leben im All verläuft völlig normal, ja geradezu vertraut. Das Dasein der Sterne und Galaxien muss uns nicht länger bedrohlich und unverständlich erscheinen, wenn wir ihr geheimes Leben erforschen und uns verdeutlichen, wie sehr ihre Existenz der menschlichen ähnelt.
Lassen Sie uns gemeinsam den Alltag in unserer Galaxiengruppe beleuchten, und Sie werden sehr bald Verständnis, ja Sympathie für die Sterne entwickeln.
Sterne werden nicht wie wir geboren, sondern vom Klapperstorch gebracht.
Unterlassen Sie das!
Ich kann deutlich erkennen, was hinter
Ihrer Stirn vorgeht! Bis morgen schreiben Sie einhundertmal
den Satz „Ich soll mir nicht die Sterne beim Sex vorstellen!“
Wir wissen so gut wie nichts über die Lebens- und Arbeitsweise des intergalaktischen Klapperstorchs, denn er nutzt die sogenannten planetarischen Nebel, um sein Treiben zu verbergen. In dieser undurchsichtigen Schutzhülle wachsen die kleinen Sternenbabies, von unseren neugierigen Teleskopen unbehelligt, heran. So ein Sternenkindergarten ist zum Beispiel der Orion-Nebel.
Schon den kleinen Sternenkindern paukt man ein, „Die Kraft“ zu fürchten. Wer sein Dasein fromm und genügsam verbringt, so erfahren sie, den wird „Die Kraft“ nicht zu belohnen vergessen. Je kleiner und bescheidener, um so länger lebe ein Stern.
Die großen Supersterne dagegen, die Angeber und Verschwender, verbrennen in nur wenigen Millionen Jahren in ihrem eigenen Kernfeuer. Ihr Ziel ist es meist, zur Supernova zu werden, um die Bewunderung und den Neid aller zu erregen. Ob das gelingt, bleibt fraglich, denn in ihrer rücksichtslosen Ruhmsucht zerstören sie andere mit. Für dieses fragwürdige Ziel verausgaben sich die Riesensterne völlig. Doch was kommt danach? Eine einzige spektakuläre Explosion, um dann vielleicht ein Leben als Neutronenstern zu führen, unbedeutend; selbst gegenüber den weißen Zwergen winzig wirkend, und ob der ungeheuren eigenen Masse an schmerzenden Füssen leidend in Ewigkeit?
Rote Zwerge sind die Vorbilder, die man den kleinen YSOs (young stellar object’s) unter die Nase reibt, die netten Omis und Opis des Alls. Auch unsere Sonne wird schon in einem Dutzend Jahrmillionen zu so einem Sympathieträger werden!
Wenn die Kleinen nicht parieren, wird ihnen mit dem fürchterlichen, alles verschlingenden schwarzen Loch gedroht. Ein Ammenmärchen, sagen die einen. Jedenfalls habe man noch keinen Stern erzählen hören, dass er es wirklich gesehen hätte. Kein Wunder, sagen die anderen. Es verschlucke ja jeden, der sich ihm nähert! Soviel zur Sternenpädagogik.
Unsere Milchstraße dagegen ist ein Altersheim, denn ihre Nebel können keine neuen Sterne mehr hervorbringen. Ihre ältesten Sterne werden auf zwölf Milliarden Jahre und älter geschätzt. Das ist weiter nichts Schlimmes, sondern eher ein Grund zum Stolz, denn die großkotzigen Riesensterne werden ja gar nicht so alt!
Da Sterne fast durchweg sehr gebildet sind, haben sie auch alle ihren Marx gelesen und wissen seitdem: „Einigkeit macht stark!“ Aus diesem Grund haben die einzelnen Galaxien sich zu Galaxienhaufen verbündet. Unserer heißt Lokale Gruppe. Die Milchstraße und die Andromeda-Galaxie sind die Supermächte und geben in der Organisation den Ton an. Triangulum und die Große sowie die Kleine Magellansche Wolke versuchen noch dagegen anzustinken, aber das ungefähre Dutzend Zwerggalaxien hat nichts zu melden und ist froh, den Schutz der Großen geniessen zu dürfen. Immerhin wird die Union der Lokalen Gruppe noch durch die Gravitation zusammengehalten, während das restliche All allmählich auseinanderdriftet.
Unter den verschiedenen Galaxien und Gruppen herrscht oftmals Abneigung, wenn nicht gar Rassismus. Kein Stern wagte sich in eine fremde Galaxie, weil er hemmungslos gemobbt würde!
So ist alles straff organisiert und jeder weiss, wie er zu rotieren hat. Die kleinen umkreisen die jeweils grösseren und suchen eifrig nach der Stelle, wo man ihnen in den Hintern kriechen kann. Das kommt Ihnen doch sicher bekannt vor, nicht wahr?
Bei aller strengen Ordnung geht es natürlich nicht ohne ein Vergnügungsviertel. Denn wenn man erst einmal Unzufriedenheit aufkommen läßt, könnte das zu Unruhen oder gar einer Revolution führen; welche doch immer ein ziemlich unangenehmes Durcheinander verursachen. Erinnern Sie sich noch an den Urknall? War ja mal ganz nett, aber ein paar Billionen Jahre Planungssicherheit sind auch nicht zu verachten.
Die ultimative Attraktion auf dem megagigantischen Rummelplatz ist Pulsaria, die Tänzerin, die sich rasend schnell dreht. Mit wehendem Schleier, geschmückt mit funkelnden Steinen, sendet sie im rasenden Takt ihres Tanzes gleissende Strahlen aus, um Zuschauer anzulocken. Der zuckende, schnelle Rhythmus der Pulse ist verheißungsvoll und warnend zugleich. Und wie alle Schlampen hat sie eine magische Anziehungskraft auf ihre Verehrer.
Lechzend stieläugeln unsere lieben Senioren nach ihr. „Die Kraft“ hat sie gestraft für ihre Lüsterheit - mit ewigem Siechtum als weisse Zwerge. Pulsaria dagegen würdigt sie keines Blickes - wen kümmern schon kaum leuchtende Zwerge – aber sie nährt sich von ihrer Bewunderung.
Unnötig zu erwähnen, daß die „guten“ roten Zwerge sich natürlich nicht auf dieser sündigen Meile sehen lassen.
Da wäre noch etwas zu erwähnen, das Sie sicher brennend interessiert: die extraterrestrischen Lebewesen. Ich muss Sie enttäuschen: sie sind reine Fama. Warum sollte die Natur einen so gravierenden Irrtum wie unsere Erschaffung zweimal machen? Fragen Sie doch mal einen gewissen Mr. Spock, ob das logisch wäre!
Illustration: http://www.freegifs.de
