SCHÖN, DASS SIE REINSCHAUEN ...
... hier erscheinen in unregelmässiger Folge Heiteres, Albernes, aber auch bissige Satire















2012/01/29

Die vier Rappen des Teufels

Es war einmal ein hartherziger Edelmann, ein rechter Leuteschinder, der nichts lieber tat, als seine Tagelöhner zu plagen und zu drücken. Eines Tages versetzte ihn ein geringes Vergehen seines braven Gärtners in den fürchterlichsten Zorn. Er schwur mit tausend Eiden, er wolle den Mann mit den Hunden vom Hof jagen und für vogelfrei erklären, wenn er nicht die große Linde vor dem Schlosse in zwei Stunden fällen und vor die Tür schaffen würde.

Der arme Mann weinte die bitterlichsten Tränen. Niemand durfte ihm helfen, Pferde und Ochsen standen ihm nicht zu Gebote. Was sein Herr verlangte, konnte er unmöglich erfüllen. Eine Stunde war schon vergangen, und noch immer saß er ratlos unter dem mächtigen Baume, als plötzlich ein Wagen vor ihm hielt, der mit vier Rappen bespannt war und von einem kleinen Männchen mit langem grauen Barte kutschiert wurde.

„Willst du den Baum mit oder ohne Wurzeln vor das Schloss gebracht haben?" fragte er den Leibeigenen. Er wartete aber keine Antwort ab, sondern holte eine hölzerne Hacke vom Wagen und schlug damit rund um den Stamm auf den Erdboden. Sogleich stürzte der Baum um, nur ein Würzelchen verband ihn noch mit dem Erdreich.

„Die Wurzel musst du durchschlagen, dazu bin ich nicht imstande“, forderte das Männchen. Sogleich schlug der Gärtner sie mit der Axt durch.

Der Graue ergriff den Baum mit beiden Händen, warf ihn auf den Wagen und trieb die Rosse an. Aber die Last war ihnen zu schwer, sie konnten nicht von der Stelle. Hui, wie sausten da die Peitschenschläge hernieder, und das half auch. Die Tiere rasten, aus den Nüstern helle Feuerflammen blasend,den Berg hinauf, durch das Tor und machten auf dem Schlossplatz zitternd und bebend halt.

Der Herr schaute gerade zum Fenster hinaus und war vor Schreck wie versteinert. „Schöne Pferde, nicht wahr?“ rief das graue Männchen zu ihm herauf. „Hier, die beiden sind dein Vater und deine Mutter, und die Vorderpferde sind deine Großeltern. Wenn du und dein Weib euch nicht bessert, werde ich wohl bald mit sechsen fahren.“

Sprach's und verschwand, und mit ihm verschwanden Wagen und Rappen. Allein der entwurzelte Baum erinnerte noch an das unheimliche Ereignis.

Der Edelmann nahm sich die Sache sehr zu Herzen und ward von Stund an ein neuer Mensch. Den Gärtner entließ er aus der Leibeigenschaft und schenkte ihm einen eigenen Hof, und er lebte glücklich und zufrieden sein Leben lang.

2012/01/27

Kater demoliert Möbel

Sonst hat mein Kater die Schublade aufgezogen, aber diesmal ...


 (war aber schon etwas locker). Und das ist der Übeltäter ...


... ein gaaaanz lieber Kerl. Norwegischer Wald-Mix. Heisst NICHT Otto.







2012/01/23

2012/01/21

Im Supermarkt

Eben im Supermarkt: Zwei Männer in Arbeitskleidung; haben bereits 2 Tüten mit Brötchen gefüllt.

Der eine will losschieben, sagt der andere: "Wir brauchen auch noch was zum Mittag."

Nimmt der eine noch 'ne Tüte, hockt sich hin und packt ein. Der andere kauert sich daneben und beide zählen laut: "Eins, zwei, drei, ..., zehn."

Full Brötchen Diet?




2012/01/15

Hochstapler im Chinaimbiß

Im Chinaimbiß

Noch eine halbe Stunde, bis der Bus auf mein Rübendorf fährt – der letzte heute. Schnell noch in den Chinaimbiss! Glücklicherweise bin ich die einzige Kundin. So werde ich mich in wenigen Minuten einem versalzenen Reisgericht widmen können.

Kurz nach mir ist eine junge Frau hereingekommen, die ich zuerst gar nicht beachtet habe. Wartend wende ich mich ab, doch pötzlich spricht mich der „Chefkoch“ an. Ob ich englisch spreche. Ja, ein bißchen.

Die junge Frau: „Do you speak...?“

„Yes, I do.“

Der Koch verfolgt unseren Wortwechsel mit seinem asiatischen Permalächeln und nickt zu jedem zweiten Wort. Ganz offensichtlich versteht er nicht die Bohne. Ich selbst begreife aber auch nicht gleich, womit ich behilflich sein soll.

Die junge Frau, Chinesin, nehme ich an, will wissen, wo sie Sachen zum Kochen kaufen kann. Meint sie den „Schöttel&Pött“*-Laden drei Häuser weiter?

„Things for cooking wo einkaufen?“

Wir befinden uns mitten in der Innenstadt, alle Supermärkte sind weit, wie soll ich das jetzt beschreiben? Während ich noch überlege, legt die junge Frau richtig los. Ich bekomme gar nichts mehr mit.

„Could you speak a little bit slowlier, please.“

Sie lächelt und senkt das Tempo. Der Koch lächelt ebenfalls, meine Übersetzung begierig erwartend. Sein Deutsch beschränkt sich aber auf die paar Worte, die er braucht, um die Bestellungen aufzunehmen. Was ich ihm übersetze, versteht er nicht. Ich ringe nach einfacheren deutschen Wörtern, die ihm vielleicht bekannt sein mögen.

Die Chinesin wird ungeduldig, er versteht immer noch nicht. Und für mich ist das wichtigste, meinen Bus nicht zu verpassen. Wieso überhaupt brauchen zwei Chinesen untereinander einen Dolmetscher? Was soll der irre Umweg über deutsch und englisch? Ach ja, an der Tür steht ein vietnamesischer Name. Der Hochstapler ist gar kein Chinese!

Die verhinderte Kundin „Things for cooking“ wiederholt immer wieder ein Wort, das sich wie „daut“ anhört. Da ich diesem Klang kein mir bekanntes englisches Wort zuordnen kann, was sinngemäß hierher passt, und sie dabei immer den Koch anblickt, vermute ich, daß es ihr Heimatidiom ist.

„Something like salt.“

Endlich dämmert mir, worum es eigentlich geht. Sie meint Zutaten...

„... for chinese cooking?”

Begeistertes Nicken. Ich verstümmele mein Deutsch so gut ich kann, damit der gute Mann – immerfort lächelnd – mich verstehen möge. Ich bekomme aus ihm heraus, dass er seinen Spezialbedarf in Rostock oder Berlin einkauft. Weder ich noch die junge Frau können es im ersten Moment glauben. In jedem Supermarkt sind doch in einer geheimen Ecke merkwürdige, mit chinesischen Schriftzeichen versehene Zutaten verborgen! Als sie es endlich akzeptiert, ist mein gebratener Reis fertig. Ich ziehe mit dem schlabberigen Folienteller rüber an den Stehtisch, ernte vom Chef einen Sojasaucenverschwendungsblick.

Inzwischen wimmelt die Bude von Studenten, die alle nach uns gekommen sind. Eine junge Frau übernimmt jetzt das Übersetzen. Ich esse! Die neue Dolmetscherin hat aber keine Ahnung, worum es eigentlich geht.

„Something like salt.“

„Etwas wie Salz.”

Ja Schätzchen, das habe ich ihm vorher schon gesagt, hatte aber keinen Erfolg damit!
Die kleine Chinesin verzweifelt allmählich. Ansonsten herrscht heitere Stimmung in dem kleinen Laden. „Keep on smiling“ beim Koch.

Ich tippe auf das Schild neben mir an der Wand. „Alle unsere Speisen enthalten Natriummonoglutamat“. Das kann man als „so etwas wie Salz“ bezeichnen. Hätte ich „Glutamat“ gesagt, hätte er es sowieso nicht verstanden. Aber was da steht, weiß er. Jetzt strahlt er noch heftiger, denn er hat begriffen. Die Studentin guckt dumm aus der Wäsche. Die begreift überhaupt nichts. Heute darf echt jeder Idiot studieren!
Der Chef holt etwas herüber, das wie Zucker aussieht.

„Das ist Salz.“ Sagt die Studentin.

„Nein“, sage ich
.
„Nein“, sagt der falsche Chinese.

Die kleine Chinesin lächelt schüchtern vor sich hin, obwohl er es auffordernd unter ihre Nase hält. Da bin ich mal so frech und behaupte: „You can taste it!“
Zaghafter Versuch – und die Schlitzaugen leuchten!

Doch das war noch nicht alles. Sie braucht noch etwas. Er versteht wieder nicht. Wie erkläre ich ihm das Grundproblem, daß sie heimatlich kochen möchte, und ihr die entscheidenden Zutaten fehlen? Wobei ich nie geahnt hätte, daß man in China tatsächlich mit Glutamat kocht. Ich hatte das bisher für einen auschließlichen Fastfood-Kunstgriff gehalten.

„Noch anderes“, sage ich.

Sie: „Ja, andeles.“

Er begreift wieder nicht.

„Andeles, andeles.“

Mein Gott, warum kapiert er nicht? Ich tippe auf die Sojasaucenflasche. „Like this?“

Endlich erfasst der Imbißinhaber die Problematik. Er räumt alle seine kleinen Stahlschüsselchen vom Herd auf die Theke. Sie prüft eine Zutat nach der anderen. Etwas, das wie Trockenhefe aussieht, scheint das Richtige zu sein. Er macht ihr zwei kleine Päckchen aus Alufolie. Sie will bezahlen, er schüttelt den Kopf. Sie erklärt dreimal, sie will bezahlen, weil sie wiederkommen wolle. Die Studentin ist nicht fähig, das zu übersetzen, und ich muß mich schon wieder einmischen. Der Chef hat schon schon verstanden, lehnt aber eine Bezahlung immer wieder ab. Sie wolle auf jeden Fall morgen wiederkommen (will sie das etwa wirklich alles heute ins Essen schütten??), und dann bringe sie eben ein Geschenk mit.

„Gift?“ die Studentin guckt entsetzt. Wäre ja auch wirklich undankbar!

„A gift, ein Geschenk!“ werfe ich ein. Da begreift sie und erklärt es dem Koch.

Abwehrende Hände. „Nein, nein.“

Er reicht der Studentin ihre Chinapfanne zum Mitnehmen über die Theke. Es kommt wieder eine Frau herein. Wäre ja putzig, wenn das Gestammele jetzt wieder von vorn begönne, aber es scheint alles geklärt zu sein. Nach gegenseitigen Dankes- und Achtungsbezeugungen geht auch die junge Chinesin. Der Chef und ich tauschen einen Verschwörerblick.

Nun sorge ich mich: werden die beiden morgen miteinander klarkommen? Morgen fahre ich nämlich nicht in die Stadt. Obwohl es hier wirklich sehr unterhaltsam ist.


*niederdeutsch: "Schüsseln und Töpfe"


(Dieses Erlebnis wurde vor einiger Zeit niedergeschrieben - ich verwahre mich gegen jeden Verdacht, ich würde immer noch in einem Rübendorf wohnen!!!)

2012/01/14

Kleine Anregung zur Überwindung von Klaustrophobie

Sie fühlen sich nicht wohl in engen Räumen? Besichtigen keine Tropfsteinhöhlen; und niemand, wirklich niemand bekommt Sie jemals in ein U-Boot?

Beruhigen Sie sich! Das russische Museums-Unterseeboot, das im ehemaligen Marinehafen von Peenemünde liegt, ist ja kein richtiges U-Boot mehr. Niemand wird die Maschinen anwerfen, die Luken schliessen, die Tanks fluten und damit abtauchen.

Eskortiert von Gaststättenschiffen und Fressbuden, liegt das Schiff harmlos und friedlich im Wasser. Tapfer strömen die Leute durch das Drehkreuz; wem unwohl ist, der lässt sich nichts anmerken.

Hinunter gehts durch den vorderen Noteinstieg. Das mit der Not ist richtig! Die Stahltreppe ist steil und eng, ein kleiner Vorgeschmack. Gleich ensteht ein Stau, denn die Leute zieren sich, durch das erste Mannloch zu kriechen. Dabei hat die Öffnung mindestens 50 cm Durchmesser, und alle sind schlank. Auf der Bank lümmeln lebensecht zwei Puppen, Mannequins in Uniform, und scheinen sich über die Landratten zu amüsieren. Zwischen dem (sich durch das ganze Schiff ziehenden) Gewirr von undefinierbaren Leitungen, Rohren, Anzeigen, Schaltkästen und Hebeln, unmittelbar neben den vier Bugtorpedorohren, hängen schmale Pritschen an Ketten: Mannschaftskojen. Immer eine für zwei: einer im Dienst, einer auf Freiwache. Beängstigend eng ist es hier und atemberaubend authentisch.

In der zweiten Sektion die Kammern der Offiziere: Selbst der Kommandant konn-
te sich in seinem Raum knapp umdrehen zwischen Lagerstatt und Schreibplatte. Und, nebenbei: Die Kojen sind nicht für Ein-Meter-achtzig-Mitteleuropäer gemacht! Es sei denn, man legte die Beine unters Bett. Der Politoffizier war ganz offensichlich der wichtigste Mann: der konnte sich auch schon mal ausstrecken.

Der Abort hat die Größe einer Schuhschachtel. Das Waschbecken nebenan ist von technischer Einrichtung fast völlig verborgen: Damit der Besucher es nicht übersieht, wurde eins von den Männeken wie ein Schlangenmensch in die Ecke hineingefaltet.

Beim Kriechen durch das dritte Schott fällt die ungewohnte Bewegung schon etwas schwerer. In der vierten Sektion die Zentrale. Mit dem großen Sehrohr, Luftansaugrohr und Radar kann auch der Laie eine Vorstellung verbinden. In der fünften Abteilung waren Doktor, Funker und die Kombüse zu finden. An den Maschinenraum grenzt die Kabine des Chiefs.

Die Bewältigung des fünften Durchstiegs wird belohnt mit dem Anblick der beiden gewaltigen Hauptmaschinen: 12-Zylinder-Dieselmotoren, allein die Abgasrohre etwa vierzig Zentimeter im Durchmesser. In der nächsten Sektion die 6000 PS-Elektromotore für größere Tauchtiefen und zwei Schleichfahrtmaschinen.

Die letzte Luke entlässt in den Hecktorpedoraum, wo noch vier Übungstorpedos liegen.

Der „achtere Notaustieg“ scheint schon viel breiter und bequemer ... Na, Platzangst überwunden?

Von Elfen und Zwölfen

Elf Zwölfen tanzen im Mondenschein
Mondfinsternis bricht herein
Elf Zwölfen brechen sich ein Bein.

Elf Zwölfen tanzen im Mondenschein
Die 13. fängt an zu schrein:
"Wo mag denn bloss die 12. sein?"

Elf Zwölfen tanzen im Mondenschein
Die Zwölfte, die ist nicht daheim
Sie handelt schwarz mit Elfenbein.

Elf Zwölfen tanzen im Mondenschein
Der alte Mond fängt an zu schrein:
"Soll das etwa ein Tango sein?"

Elf Zwölfen tanzen im Mondenschein
Eine Elfe schleicht in den Kreis sich rein
Das kann wohl nur ein Spitzel sein.

2012/01/07

Gefunden: Gestohlen

Gefunden habe ich folgendes:
"Mit einer gestohlenen Brieftasche stieg einer der erfolgreichsten Taschendiebe Mailands aus der Straßenbahn aus, überzeugte sich mit einem raschen Blick von seiner Beute, worauf er hinter der Bahn herjagte, aufsprang und und den Bestohlenen verprügelte. In der Brieftasche hatte er ein Foto seiner Frau gefunden. Es trug die Widmung: Dem feurigsten Liebhaber der Welt."

Aus"Taschendiebe" von Alexander Adrion (Fischer 1996)

Weg mit der Parteienfinanzierung aus Steuergeldern!

Die CSU will das Grundgesetz einmal mehr ändern lassen. Ziel: mehr Steuergeld für CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne, getarnt als „Kampf gegen den Extremismus“. Linke und Rechte sollen vom staatlichen Geldregen völlig abgeschnitten werden. Wenn das nicht gelebte Demokratie ist!

Bis 2010 stand für alle Parteien zusammen ein Betrag von 133 Mio Euro zur Verfügung. Verteilt wird aufgeschlüsselt nach erhaltenen Wählerstimmen sowie Beitrags- und Spendenaufkommen der jeweiligen Partei. Pro Wählerstimme gibt es 70 Cent und jeder Spenden-Euro wird um 38 Cent aus der Staatskasse aufgestockt. Da den 21 anspruchsberechtigten Parteien 2110 nach Wählerstimmen und Spenden mehr als 133 Millionen Euro hätten zufliessen müssen, wurde bei allen Parteien gekürzt. Sie erhielten „nur“ rund 32 Cent pro Spenden-Euro.

Sechs Cent Zwangsverzicht pro Euro! Welch unerträglicher Zustand! Also stockten sie per Beschluss des Innenausschusses die Höchstgrenze für 2011 auf 141,9 Millionen Euro und gleich auf Vorrat für 2012 auf 150,8 Millionen Euro auf.

Den "Bürgerlichen" ist es seit langem ein Dorn im Auge, dass auch die unerwünschten Konkurrenten ein Stück vom Millionen-Kuchen abbekommen. Das könnten sie auf den eigenen Teller legen, fänden sie einen Weg, sich dieser lästigen Mitesser zu entledigen! Möglich wäre dies natürlich über Wahlen. Nur Parteien, die auf Bundesebene mindestens 0,5 Prozent oder auf Landesebene 1,0 Prozent Stimmen erhalten, nehmen an der Parteienfinanzierung teil. Was aber, wenn der unberechenbare Wahlpöbel nicht so abstimmt, wie es den wirtschaftlichen Interessen der Altparteien entspricht?

Ganz einfach: Die von der CSU angeregte Grundgesetzänderung muß her! Demnach soll der Bundestag künftig ermächtigt werden, per Beschluss "extremistische" Parteien vom Kuchenteller fernzuhalten. Wären NPD und Linkspartei bereits 2010 von den Zuwendungen ausgeschlossen worden, hätten CSU & Co. die vollen 38 Cent pro Spendeneuro erhalten.

Dummerweise haben die Autoren des Grundgesetzes einige aus Parteiensicht heute völlig überholte Rechtsprinzipien festgelegt. Dazu gehören insbesondere das lästige Gebot der Gleichbehandlung der politischen Parteien und die Unabhängigkeit der Gerichte. (Von letzteren muß befürchtet werden, daß sie die von der CSU angestrebte Grundgesetzänderung umgehend verwerfen würden.)

Nun, Politik erfordert ein gewisses Mass an Ausdauer. Die Aushöhlung einer Verfassung gehört dabei zu den Königsdisziplinen und stellt eine besondere Herausforderung dar, wie schon Horst Seehofers Idol Henry Kissinger wußte:

„Das Illegale machen wir sofort. Das Verfassungswidrige dauert etwas länger.“
(Kissinger 1973 zur „New York Times”)

2011/12/30

Redensarten und Sprichwörter: Modern wie nie zuvor

Sprichwörter und Redensarten gehören wie selbstverständlich zu unserem täglichen Sprachgebrauch - manche sind bis zum Erbrechen ausgereizt. Kaum jemand weiss etwas über deren Urspung, jedoch ist der allgemeine Irrglaube weit verbreitet, sie seien althergebracht. Doch dem ist nicht so! In Wirklichkeit haben viele von ihnen aktuelle Bedeutung.

Das vielseitig-unrühmliche Wirken der Bahn fordert den Volksmund zu diesbezüglichen Kreationen geradezu heraus. So bedeutet der Ausdruck "es ist letzte Eisenbahn", dass mal wieder eine Strecke stillgelegt wird und hier der letzte Zug unterwegs ist, bevor die Schienen abgebaut werden. "Abkupfern" dagegen meint die illegale Variante des Abbaus, nämlich: die Oberleitungen zu stehlen. Welcher Fahrgast ist nicht schon am Fahrkartenautomaten verzweifelt, weil der "nur Bahnhof verstand"? Dass "auf etwas abfahren" von begeisterten Fahrgästen geprägt wurde, ist dagegen eine unbewiesene Behauptung von Grubes PR-Abteilung. Gab es nicht einmal Pläne in der Verkehrspolitik, aus ökologischen Gründen mehr Transporte auf die Schiene zu verlegen? Der Zug ist abgefahren.

Verspätungen? Alles Hirngespinste. "Einmal ist keinmal" - und das nächste Mal ist ja wieder einmal, also wieder kein Mal. Nicht zuletzt verdanken wir den heutigen High-Tech-Zügen den Ausdruck: "ein Rad abhaben". Geradezu Horror scheinen die ICEs ja vor Wolfsburg zu haben. Mal fahren sie ohne Halt durch, mal bleiben sie kurz vor der Stadt stehen und streiken. Ich kenne diese zweifellos schöne Stadt nicht, aber werden dort möglicherweise "abends die Bahnsteige hochgeklappt"?


"Ein weites Feld" bezüglich Redensarten ist auch die Politik. Beleuchten wir zuerst einmal die aus Brüssel. "Eulen nach Athen tragen" meint den Euro, der ja in Griechenland eine Eule zeigt. Griechenland und all die Profiteure der Umverteilerei jubeln daher auch: EU "verleiht Flügel". Befürworter dieses Irrsinns in den Geberländern dagegen "sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen".

Die europäische Idee an sich hätte ja etwas für sich, wenn man den Völkern etwas mehr Zeit liesse. Gut Ding will Weile haben, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Die politisch erzwungenen Hau-Ruck-Aktionen der letzten Jahre dagegen geben nur das Gefühl: "Wer mit Hunden zu Bett geht, steht mit Flöhen auf".

"Alles Gute kommt von oben" klingt da wie der reine Hohn. Und den Spruch "Je mehr Gesetz, desto weniger Recht" kann man ohne weiteres erweitern auf: "Je mehr Brüssel, desto weniger Demokratie". Meine persönliche Meinung zur EU: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Doch auch die inländische Politik ist reich an Sinnbildern. "Alter schützt vor Torheit nicht" beschreibt den Durchschnittspolitiker im allgemeinen. "Auf tausend Narren kommt ein Weiser", so war einmal der Bundestag geplant. Leider sind es dann nur 620 Abgeordnete geworden.

Sogar Merkels Jacken sind in die idiomatische Hall Of Fame eingegangen, weil sie "keine gute Figur machen". Die Kanzlerin ist ja eine Meisterin des Wortes, darum gehen auch "Sage nicht immer, was du weistt, aber wisse immer, was du sagst" und "jemanden abkanzeln" auf ihre Kappe.

"Kassenschlüssel schliessen alle Schlösser" und "Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft" - das betrifft den Mann, über den man nichts sagen darf. Er verklagt einen sofort, weil man angeblich sein Amt missachtet. Es gibt aber auch Leute, die eine Beleidigung darstellen für das Amt, das sie bekleiden.

Einen klitzekleinen Gefallen hatte die Politik auch der Pharmaindustrie tun wollen mit der künstlich geschürten Schweinegrippe-Hysterie. Aber irgendwie sind die Leute nicht drauf angesprungen. "Wie bestellt und nicht abgeholt" deshalb der Impfstoff in den Lagern - die letztendliche Vernichtung mussten wir Steuerzahler nun auch noch blechen.

Selbst die zu Recht so abkratzende FDP hat ihr eigenes Sprichwort: "Ein Unglück kommt selten allein". Ein Ausspruch musste allerdings modernisiert werden. "Stillstand bedeutet Rückschritt" heisst seit Schröder unselig: "Reformen bedeuten Rückschritt".

Horst Seehofer zeigt einmal mehr, wie man sich um 180° dreht, indem er erklärt, "Karl-Theodor" zurückgewinnen zu wollen. Man sagt ja auch: "Die Wahrheit von heute ist die Lüge von morgen."
">Ich bin ein angesehener Mann<, sagte der Dieb am Schandpfahl." Warum drängt sich ständig das Thema Guttenberg auf? Er ist doch schlank, warum "kommt man nicht an ihm vorbei"? "Totgesagte leben länger." Scheint so, leider. Unkraut vergeht eben nicht.
"Adel verpflichtet" - zu was, zum Angeben? Wer braucht schon einen Doktortitel? Einbildung ist auch eine Bildung.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wahrer Adel liegt im Gemüt, nicht im Geblüt.Jedoch meint der Volksmund auch: "Herrenfürze sind nunmal edler". Hochmut kommt vor dem Fall. Na, da wird es Zeit, dass der edle Fu Herr mal wieder stolpert.


Nicht mehr lange, und 2012 "geht ab wie eine Rakete". Silvesterfeten sind meiner Meinung nach "viel Lärm um nichts" (es kommt wie es kommt), aber man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Kleiner Warnhinweis: Wer im Glashaus sitzt soll keine Knaller werfen.

Scherben bringen Glück, darum zerschmeisst schnell Mutters gutes Porzellan:
Glückliches und Gesundes Neues Jahr wünscht MUS

2011/12/24

Bettina Wulff: Den Deutschen geht es gut

Bettina Wulffs Bitte um Weihnachtsfrieden für ihre Familie ist verständlich und legitim. Warum muss sie ihre Äußerungen aber mit einer weiteren Ohrfeige für einen großen Teil der Deutschen verbinden? Ihr Gatte hat bezüglich Ausgrenzung Ostdeutscher, Armer und anderer unterprivilegierter Gruppen wohl schon genug Schaden angerichtet. Er wollte der Präsident aller Bürger sein - ein billiges Lippenbekenntnis. Nie zuvor hat ein Bundespräsident große Bevölkerungsgruppen verbal dermassen ausgegrenzt. Mein Präsident ist er nicht. Und die Türken haben bereits einen.

Die Frau des Bundespräsidenten soll folgendes geäußert haben: "Ihre Erfahrung sei, dass es vielen Menschen in Deutschland “wirklich gut” gehe. >Wir sollten in Deutschland häufiger darauf schauen, was gut läuft und nicht immer nur auf das, was uns Probleme bereitet<, betonte sie."
http://www.elo-forum.net/shortnews/2011122343016.html

In ihrer gesellschaftlichen Stellung muss man in der Lage sein, über den Schicki-Micki-Tellerrand des wulff'schen Freundeskreises zu blicken. Oder den Mund halten. Für Menschen, die ums tägliche Überleben kämpfen, die auch in diesen Tagen auf dem Teller keinen Unterschied merken, für Kinder, deren Weihnachtsgeschenke in einem Schulranzen oder dringend benötigten Kleidungsstücken bestehen, sind ihre Worte der reine Hohn.
Allen Lesern ein erholsames und ruhiges Weihnachtsfest! Möge jeder die Feiertage nach seiner Facon verbringen, ob in Familie oder allein am Computer. Auch die, die aus diversen Gründen arbeiten müssen, sollen nicht vergessen sein.

Ihr Lieben, denkt an die Euren und einmal weniger an Euch selbst. Vorhin verliess eine junge Familie geschenkbepackt unser Haus. Es war noch nicht einmal 14 Uhr. Wie eilig sie es hatten, ins Auto (Kennzeichen von hier) zu steigen und wegzukommen! Großeltern beziehungsweise Urgroßeltern zu Geschenklieferanten degradiert, deren Gesellschaft man aber nicht einmal eine Stunde ertragen mag. Sich einmal im Jahr kurz blicken lassen um einzusacken, und die Alten die restlichen 8759,5 Stunden (im Schaltjahr 8783,5) ihrer Einsamkeit überlassen. Obwohl das Fest mir als Heidin nichts bedeutet, macht es mich traurig, so etwas zu beobachten.


Präsident möchte man in diesen Tagen wahrhaftig nicht sein. Kein Weihnachtsfrieden für den Bundeskreditnehmer, dessen Weihnachtsansprache so widersprüchlich wie farblos ist. Will er nun den Islam fördern oder Demokratie und Zusammenhalt in der Gesellschaft? Islam und Demokratie passen nicht zusammen, Islam und Demokratie sind Gegensätze. Unsere Toleranzpolitiker wissen nicht, was sie tun.

Und wenn er behauptet, zuversichtlich zu sein, der eingeschlagene Weg würde Europa aus der Schuldenkrise führen, ist er entweder verboten naiv oder er sagt nicht die Wahrheit. Umschulden ist nur Aufschieben, auf einen Grünen Zweig kommt man so nie. Stattdessen werden die, denen es noch einigermassen ging, mit in den Abgrund gezogen. Danke übrigens, Merkel&Konsorten, für dieses Geschenk!

Väterchen Ministerpräsident Putin ist auch kein Weihnachtsfriede gegönnt, die Demonstranten fluten Russlands Straßen. Aber die Orthodoxen feiern ja auch erst am 7.Januar. Dass dieser eifrige Selbstdarsteller übrigens heutzutage auch in der Kirche abgelichtet wird, wundert mich schon. Entweder war er der einzige gläubige KGB-Offizier, oder er hat eine erstaunliche Wandlung vollzogen.
Auch die jüngsten Gesetzes-Bescherungen von Ministerpräsident Viktor Orban werden von den Ungarn mit Protesten beantwortet. Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany wurde sogar zusammen mit anderen Demonstranten festgenommen. Und Ex-Ministerpräsidentin Timoschenkos siebenjährige Haftstrafe ist soeben vom Berufungsgericht bestätigt worden. Syriens Präsident Baschar Hafiz al-Assad hat schon lange keine Freunde mehr.

Präsident Obama geht's etwas besser: ihm haben die Republikaner zwei Monate Aufschub geschenkt im Steit um finanzielle Erleichterungen bei den Sozialabgaben. Und Präsident Raul Castro feiert sich selbst mit einer Massenamnestie.

Hier Weihnachtsgrüße von Ministerpräsident Netanjahu an die Christen der Welt - mir ist nicht bekannt, dass zum Beispiel Präsident Ahmadenedjad etwas in der Art veröffentlicht hätte.
http://www.youtube.com/watch?v=qnKwHJL5Sqk&feature=player_embedded

Wenn man lange genug auf der ganzen Welt sucht, findet man auch ein Weihnachtswunder. So wird uns dieser Tage das Rührstück präsentiert, wie ein seit dem Tsunami Weihnachten 2004 von der Familie tot geglaubtes indonesisches Mädchen ihre Eltern wiedergefunden hat.
http://elo-forum.net/shortnews/2011122342995.html

2011/12/22

Maria Catharina Flint - Geschichte eines Romanprojekts

Den Anstoss zu diesem Projekt gab ein Literaturwettbewerb. Ausgeschrieben zum 31. Januar 2010 war ein historischer Roman. Unglücklicherweise erfuhr ich aber erst Anfang Dezember davon: unmöglich, in weniger als zwei Monaten (inklusive Recherche) eine ordentliche Arbeit abzuliefern. Da jedoch Schwierigkeiten mich immer umso mehr reizen, je größer sie sind, wollte ich das Projekt unbedingt in Angriff nehmen. Ich hatte nicht nur kein Thema, sondern bis dato überhaupt nichts Historisches verfaßt. Ein Krimi und zwei Kinderbücher schlummerten in der virtuellen Schublade, publiziert waren lediglich einige Kurzgeschichten.

Über Lebens- und Denkweise der Menschen in früheren Jahrhunderten meinte ich aber gut Bescheid zu wissen, denn ich hatte in meiner Jugend historische Romane en masse verschlungen. Das war damals, in jener fernen Zeit, als Belletristik noch die Qualität hatte, wirklichkeitsnah und glaubhaft geschrieben und sorgfältig recherchiert zu sein. Nicht zu vergleichen mit den bunten, reißerischen Abenteuerstories, die heute die Buchläden und Bahnhofskioske fluten und dabei vorgeben, historische Geschehnisse abzubilden. Meine Eingeweide rotieren, wenn ich mit mehr als abenteuerlichen Frauengeschichten konfrontiert werde, die nicht das mindeste mit der historischen Lebenswirklichkeit meiner Geschlechtsgenossinnen zu tun haben. Ich weiss: ich schweife ab, aber das musste mal gesagt werden.

Mit den besten Voraussetzungen also und viel Elan stürzte ich mich ins Stadtarchiv meiner Wahlheimat Stralsund. Die Vorauswahl an möglichen Themen gewann "Maria Flint". Die ledige Näherin wurde vor fast 250 Jahren hingerichtet, weil sie ihr Neugeborenes getötet hatte. Wie ich in hier und da geführten Gesprächen bald erfahren sollte, ist ihr tragisches Schicksal noch heute jedem echten Stralsunder geläufig. Je tiefer ich ins Thema eintauchte, umso mehr wurmte mich aber auch die völlig falsche Überlieferung der Begebenheit. Denn selbstverständlich hatten vor mir schon einige Autoren das emotionsträchtige Thema bearbeitet, sogar ein niederdeutsches Bühnenstück existiert.

Die fehlerhafte Darstellung fängt schon bei dem Umstand an, dass "Maria Flint" ein stehender Begriff ist, obwohl ihr Rufname Catharina war. Die existierenden Romane – als Regionalliteratur von gewissem Bekanntheitsgrad – sind mehr oder weniger Phantasieprodukte. Da ich ein ganz klein wenig Perfektionistin und dito vom Besserwisser-Virus befallen bin, wollte ich das also alles viel besser machen. Vor allem liegt mir daran, das tägliche Leben der Menschen damals recht genau abzubilden. Der Leser soll die Handlung erleben, ja geradezu physisch spüren.

Schon im 18. Jahrhundert sorgte die Angelegenheit für viel Aufsehen. Und das war nicht nur der Tatsache geschuldet, dass der Mann (ein rügenscher Junker im Dienst der schwedischen Truppen), der die Hauptschuld an Catharinas Schicksal trug, mit einigen Kumpanen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Delinquentin aus dem Gefängnis befreite, obwohl diese nicht befreit werden wollte. Sie hatte ihre Schuld nie geleugnet. Die jungen Herren Offiziere setzten Catharina im Morgengrauen mit etwas Geld versehen in der Nachtbarstadt in eine Postkutsche, bevor die Stralsunder sich recht berappelt hatten.

Natürlich wurde sie daraufhin steckbrieflich gesucht in "teutschen Landen". Aber zur zeitgenössischen Sensationsstory avancierte die Affäre erst, als Catharina nach cirka einem Jahr ans Stralsunder Stadttor klopfte – abgerissen und barfuß – und darum bat, nun ihre Schuld sühnen zu dürfen. D a s hat die Gemüter damals bewegt, und nicht wenige bekannte Persönlichkeiten verwendeten sich für sie, als das Todesurteil gesprochen worden war. Die Aufklärung war in vollem Gange, und man sah Hinrichtungen damals schon kritisch. Nach und nach schafften die Länder in diesen Zeiten zumindest die Tortur ab.

Manche Literaturforscher behaupten, die Begebenheit hätte den jungen Goethe zu seiner später entstandenen Figur "Gretchen" inspiriert. Ich bezweifle das allerdings - solche Frauenschicksale waren damals keine Seltenheit. Allerdings wurde dafür kaum noch die Todesstrafe verhängt und vollzogen.


Nun, was soll ich Euch sagen: natürlich habe ich den Abgabetermin nicht geschafft; und das Projekt träumte seitdem in Gestalt von Dateien, Notizen und unzähligen Zetteln vor sich hin. Von meinem Schreibtisch blicke ich seit 2 Jahren auf eine Wand, die gepflastert ist mit Kopien von Stichen, Schriftstücken, Gemälden aus dieser Zeit. Eine Karte von Stralsund und die meisten Stadttore sind darunter. Menschen in zeitgenössischer Kleidung. Die Rechnung des Henkers, der nicht, wie viele seiner Berufsgenossen, ein tumber Sadist, sondern ein gebildeter Mann war. Das alles ist nicht nur Zierde, sondern vor allem als Inspiration gedacht gewesen.

Und doch ist mir die Geschichte irgendwie untergegangen, bis Catharina zu ihrem 246. Todestag am 20. Dezember auf ihr Recht gepocht hat. Und nun darf ich die Sache nicht länger aufschieben.

2011/12/11

... und nun die Vorhersage der Lottozahlen!

Ich bin eine abscheulich schlechte Menschin! Herz- und gefühllos, gemein und abschaumig. Es gibt auf dieser Welt eine Person, die mich anfleht, mir helfen zu dürfen, aber ich lasse es widerwärtigerweise nicht zu. Wer das ist? Keine Ahnung. Ihr Name klingt weiblich, aber in dem Metier kann es ebensogut ein Er, Es oder Roboter sein. Dieses Subjekt also macht seine Sache sehr geschickt, selbst ich erfahrene alte Hexe muss das zugeben. Und doch bin ich so fies, nicht zu reagieren.

Worum es geht? Eine Wahrsagerin, Medium, Astrologin oder was auch immer - belästigt, will sagen belustigt mich seit Wochen per E-Mail. Sie(?) will mein Problem lösen, sogar Probleme, die ich gar nicht habe - sowas Nettes! Sie hat 13 Stunden lang meine Sterne analysiert - ohne Auftrag, völlig auf blauen Dunst hin - sowas Fleißiges! Ein paar Absätze weiter waren es sogar mehrere Tage. Sie(?) wird alles in ihrer Macht (Hört, hört!) Stehende tun und nicht ruhen, bis mein Glück vollkommen ist. Sowas Selbstloses! Dreizehn Stunden, jaja: hätte sie mal auf die Zahl geachtet. Ihr Radar oder womit immer sie arbeitet, hätte ihr schon sagen müssen, dass sie damit bei mir kein Glück hat.

Jedenfalls werde ich bald im Reichtum schwimmen. X hat mir das genaue Datum mitgeteilt, von dem ab ich sowohl dreißig Tage, als auch drei Monate UND auch sechs Monate Glück haben werde. Ich fürchte, soviel geballtes Glück kann ich gar nicht vertragen. Aber dann hat X bestimmt auch eine Lösung für mich parat.

Mein Leben wird eine entscheidende Wende nehmen, denn so günstig standen meine Sterne noch nie. Toll, nicht wahr? DOCH DA! Fernes Donnergrollen grummelt gräßlich am Horizont. Der Odem erstarrt vor Grauen! Grimmig dräuend lauert Grundböses in meiner Nähe, das mir dieses Glück nicht gönnt. Grell grinst der Grusel aus der Gruft und greift mit graugrünen Griffeln grantig nach meinem grandiosen Geschick. Nicht grübeln, noch greinen: denn großherzig und gütig wölbt sich Xs schützende Hand über mich. Flauschig-weichen, balsamduftenden Glückswolken befiehlt sie(?) mich zu kosen. Fukushima-artig strahlend gestaltet sie meine Zukunft. Genauer: sie(?) schreibt, sie(?) wird einen Schutzzauber über mich verhängen, so dass ich selig weiterträumen kann. Wirklich vielseitig, das alte Mädchen(?).

Natürlich kann ich meine bevorstehende einmalige Glücksphase nur optimal nutzen, wenn ich mich nach ihren Ratschlägen richte, is ja klar. Was mich das kostet? Weissichnich, aber sie(?) hat mir eine verbürgt zugesicherte Zusage auf Geld-Zurück-Garantie versprochen. Und dann glaube ich das natürlich auch. Sicherlich kann so ein übermenschliches Wesen meine Aura mit einem einzigen Gedanken für immer verpesten, wenn ich es wagen sollte, an ihr zu zweifeln. Auch kann ich wirklich voll auf X vertrauen, denn sie hat schon für Hunderte von Menschen das Glück beschworen.

Das ist noch längst nicht alles. Dieses Juwel der guten Feen kann sogar die Lottozahlen vorhersagen! Sie wird mir auf meinen Wunsch mitteilen, wann ich welche Zahlen spielen soll. Ihr Pech, dass ich aus Prinzip kein Lotto spiele. Und wenn ich es ausnahmsweise einmal versuche? Dann behält sie in jedem Fall Recht: wenn ich nicht gewinne, dann weil ich sie nicht nach den Zahlen gefragt habe. Sollte ich aber den Jackpot knacken, liegt es an der prophezeiten Glückssträhne.

X zerreisst sich geradezu vor Eifer, mir zu nützen. Sie(?) kann es kaum erwarten, dass ich ihr erlaube, mir zu helfen. Und das alles, obwohl nie eine Zeile von erhalten, nie von mir gehört hat. Ist das nicht süüüss? Eine Vision hat ihr übrigens mitgeteilt, dass ich eine aussergewöhnliche Persönlichkeit bin und bisher viel Pech im Leben hatte, und das könnte sie ja schliesslich nicht wissen, wenn sie keine übersinnlichen Fähigkeiten hätte. Aber ich Schloch stelle mich quer, will nichts von ihren Diensten wissen und nicht zahlen. Nu hat die Ärmste vielleicht an Weihnachten nix zu beissen und ich mache mich noch darüber lustig: nee wat bin ick boshaft! Ich verbrenne jetzt meine Kleeblattsammlung und krümele die Asche auf meine Perücke.

P.S. Letzter Stand: Wenn ich mich jetzt nicht endlich melde, kann sie(?) die mysteriöse Bedrohung vielleicht nicht länger aufhalten. Also, falls Ihr nie wieder von mir hören solltet: WISH YOU ALL THE BEST!!

2011/12/03

Wie werde ich Satanist?

Anleitung von Francesco Maria Guazzo im „Compendium Maleficarum“ (1608)

Man muss:
1. dem christlichen Glauben abschwören
2. wiedergetauft werden und im Namen des Teufels einen neuen Namen annehmen
3. die Spuren der christlichen Taufsymbole durch die Berührung des Teufels ausgelöscht haben
4. seine christlichen Eltern verleugnen und zwei neue Paten auswählen
5. als Zeichen der Unterwerfung dem Teufel ein (kostbares) Kleidungsstück opfern
6. den Treueeid auf den Teufel im magischen Kreis schwören
7. seinen neuen Namen in das Buch des Todes einschreiben
8. versprechen, dem Teufel Kinder zuzuführen
9. versprechen, einen jährlichen Tribut an den Teufel zu zahlen
10. das Teufelsmal empfangen, das eine geheime unempfindliche Stelle des Körpers markiert
11. dem Teufel geloben, heilige Reliquien zu zerstören und die Geheimnisse des Sabbats nicht preiszugeben

2011/12/02

Geschüttelreimt hab' ich fleißig - s'ist Nonsens, das weiss ich

Voll Steinblöcke liegt die Wiese
keine ist so voll wie diese.
und öfter bei den großen Steinen
die Leute, die sich stoßen, greinen.
Es ging mal durch die Wiesen Nolte
auf einmal er stark niesen wollte.
Er denkt, da hilft wohl bloss 'n Grog
steht dabei vor nem grossen Block.
Ein Schafbock auf dem Blocke sitzt,
der Base ihre Socke blitzt.
Er sieht, die Socke hat 'n Loch
sie ruft: "Nimm mal die Latt’n hoch!"
"Nimm lieber du den Block weg, Base
weil ich sonst den Bock wegblase."
In ihrer Hand die Latte prangt
mit Schwung nach Onkels Platte langt
und als der wieder niesen muß
sie denkt: "Ich koch' der miesen Nuss
statt Grog in meiner Wut Tee.
das hilft, denn sein Kopf tut weh."

2011/11/30

Katastrophenwarnung: Freitag, der 13.


Die meisten Menschen sind ein wenig abergläubisch, aber die wenigsten geben es zu. Man versucht meist verschämt, es zu verbergen. Aber was ist schon dabei, dreimal auf eine schwarze Katze zu klopfen, wenn einem freitagabends die dreizehnte Spinne begegnet? 

Wer will bestreiten, daß es ausgesprochene Glückspilze gibt, ebenso wie unwiderrufliche Pechvögel? Ich zum Beispiel bin an einem Sonntag geboren und lauere schon vier Jahrzehnte auf das Glück, das ich endlich einmal haben muss. Das ist doch das Anrecht eines Sonntagskindes, oder? 

Allmählich wird es ja Zeit für einen kleinen Ausblick auf 2012. Folgendes ist am Neujahrstag zu beachten: Kein Geflügel essen, sonst fliegt das Glück davon. Statt dessen lieber Schweinefleisch, denn dass Schweine Glück und Wohlstand bringen, weiss man ja. Das nächste Jahr ist nämlich nicht ganz ohne: gleich drei mal wird es einen Freitag, den 13. geben: im Januar, April und im Juli. Sehr selten und besonders gefährlich ist der im April. Da bildet die Quersumme aller Ziffern des Datums auch eine 13 (1+3+4+2+0+1+2=13). Als Vorsorge für diesen Tag des Schreckens empfehle ich, das Bett mit einem Schutzdach und einem Sicherheitsgurt zu versehen und den ganzen Tag darin zu verbringen.

2011/11/26

... und Gott schuf die Außerirdischen

Dem Verwaltungsgericht Berlin liegt eine Klage gegen die Bundesrepulik Deutschland vor.  Der Bundestag soll eine Studie seines wissenschaftlichen Dienstes zu UFOs und Außerirdischen offenlegen, lehnt dies aber ab.

Laut einer nicht repräsentativen Online-Umfrage auf welt.de anläßlich obiger Nachricht sind 80% überzeugt, dass es außerirdisches Leben gibt. Ungefähr soviel (verschiedene Quellen geben ca. zwei Drittel an) Einwohner der Bundesrepublik glauben auch an Gott.

Es muß also ein hoher Prozentsatz der Gläubigen auch an Außerirdische glauben. Wie ist das mit den monotheistischen religiösen Schriften vereinbar? Meines Wissens steht nirgends geschrieben, dass Gott noch andere Welten mit Lebewesen erschaffen hat. Eine derart relevante Information hätte er uns doch sicher nicht vorenthalten, oder? Wahrlich, ich sage euch: mit der Erde und den Menschen hat Gott genug Ärger am Hals, da braucht er keine grünen Männchen mehr.

Krähen im Talar?

Dass ich eine große Tierfreundin bin, kann ich nicht leugnen. Vielleicht sehe ich deshalb im täglichen Leben ständig Parallelen zur Tierwelt?

Zwei Meldungen, die in den letzten Tagen kolportiert worden sind, drängen mir den Schluß auf: ein Jurist hackt dem anderen kein Auge aus.

Da ist einmal die Tatsache, daß Herrn zu Guttenberg, dem nicht ein x-beliebiger Doktortitel aberkannt wurde, sondern ausgerechnet der Dr. jur., gegen Zahlung eines Taschengeldes ein Prozess wegen der erwiesenen Urheberrechtsverletzungen erspart bleibt.

Zum anderen habe ich in der Online-Ausgabe des Spiegels gerade die Nachricht gefunden, daß acht ehemaligen Studenten der Uni Hannover der Doktortitel erhalten bleibt, obwohl sie ihn durch Bestechung des Doktorvaters erlangten. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,800011,00.html

Warum soviel Verständnis für die Schlitzohren? Jedem Staatsanwalt oder Richter, der Studium und diverse examina auf die ehrliche, mühevolle Art absolviert hat, müßten sich doch die Fußnägel hochrollen. Jura ist ja nun  kein Fach, das man zwischen zwölf und Mittag aus dem Ärmel schüttelt. Also liegt doch der Verdacht nahe, dass dergleichen Gaunereien eher die Regel sind.

2011/11/22

Guttenberg, der Widergänger

Der Peter war ein Renommist.
Ihr wisst vielleicht nicht, was das ist?
Ein Renommist, das ist ein Mann,
der viel verspricht und wenig kann.
(Aus "Die Sache mit den Klößen" von Erich Kästner)

Welch ein Segen schien es zu sein, als Karl-Bramarbas zu Guttenberg abdankte und (sich) kurze Zeit später nach Amerika verzog. Endlich war seine Allgegenwart in den Medien, meist begleitet von irrwitzigen Attributen wie "gutaussehend", "beliebtester Politiker" oder gar "Politstar", Geschichte. Gerade in der Schlußphase seines politischen Wirkens war es unerträglich geworden, wie er von den Seinen, allen voran die Kanzlerin und sein Parteichef, als ausgezeichneter Verteidigungsminister, wenn nicht gar als "fähig" bezeichnet wurde - obwohl nun wirklich deutlich seine Unfähigkeit zutage getreten war (die er bis dato relativ geschickt zu kaschieren gewusst hatte, indem er immer genau die Leute schasste, die sie hätten ans Licht bringen können - Stichwort Kundus-Affäre).

Doch schon Ende September wurde klar, dass der Totgeglaubte weiterhin durch die deutschen Medien geistern würde, als es hieß, er sei in einen renommierten US-Thinkthank berufen worden (am 29.09.2011 hier im Blog kurz kommentiert); und zwar ausgerechnet unter dem Label "distingued statesman". Noch bedrohlicher wurde es am letzten Samstag, als unbelehrbare deutsche Medien einen Auftritt des Ex-In-Spe-Kanzlerkandidaten in Canada bejubelten. Der nun im amerikanisierten Look auftretende Poseur war zu einer Diskussionsrunde auf einer Sicherheitskonferenz in Halifax geladen. In etlichen deutschen Medien wird der Forumsleiter zitiert: „Es geht um seine Erfahrung, deshalb wollen ihn die Leute hören“. Will man uns einen Grizzly aufbinden? Ein paar Monate Wirtschaftsminister, etwas länger Kriegsminister - in beiden Jobs nichts gebacken bekommen ausser die Freundschaft von BILD zu erringen - und nun wird er angeblich als Experte gehandelt für Sicherheits- und Europapolitik? Von einem Comeback wird gar geschwafelt.

Nun, das Interesse vor Ort muß sich in Grenzen gehalten haben, denn außer seinem Namen in der Rednerliste konnte ich in amerikanischen und kanadischen Medien keine Erwähnung finden. Dabei entsprechen doch seine Fachkenntnisse in Täuschen, Blenden und Selbstinszenierungs-Show abziehen perfekt dem amerikanischen Usus in Politik und Wirtschaft. Die Lokalität seines Exils hat er mit Sicherheit nach seinen Neigungen gewählt.

In seinen (?) Ausführungen soll er scharfe Kritik an den europäischen Politikern geübt haben - zu denen er  bis vor wenigen Monaten selbst gehörte. Oder ist erst jetzt hier alles in geistiger Impotenz versunken, seitdem der Ex-Doktor nicht mehr nach dem Rechten sieht? Zweifellos sind einige seiner Bemerkungen nicht ganz abwegig. In D wird nur noch Tagespolitik gewurschtelt und in Europa läuft alles darauf hinaus, als ultimative Lösung aller Probleme einen Universalzahlmeister BRD zu istallieren. Jedoch ist es unwürdiger, miserabler Stil, jetzt aus der Ferne über die Leute herzuziehen, die ihn weit über Gebühr und Verdienst gepuscht haben. Und er irrt, falls er meint, sich durch seine intellektuellen Gaben von der Masse der Politiker zu unterscheiden. Wieder einmal hat er nur schwadroniert, aber keine Lösungen angeboten. Doc Gutti war mit dem Ministeramt völlig überfordert und ist letztlich an seiner eigenen Persönlichkeit gescheitert. Man sollte auch die Frage aufwerfen, warum er die US-amerikanische Wirtschafts- und Finanzpolitik nicht für kritikwürdig hält. ("Bankrott in Washington" titelt die Onlineausgabe der Rheinischen Post heute. http://www.rp-online.de/politik/ausland/bankrott-in-washington-1.2612018 ).

Nun, der edle Herr hat ein gutes Gespür dafür, was die Leute hören wollen. Er ist sozusagen ein Chamäleon der Rede. Und in Amerika ist es zur Zeit große Mode, über Europa herzuziehen. Denn wir sind schuld am US-Desaster. Der US-Präsident hat es gesagt, also ist es wahr. Und dieser Geist - die Schuld immer bei anderen suchen, egal wie absurd es klingen mag - ist ja auch KT eigen.

Vernünftige Menschen würden wenigstens etwas Gras über ihre Verfehlungen wachsen lassen. Doch dazu bringt zu Guttenberg nicht die erforderliche Geduld auf. Er muß sofort austesten, wie er denn inzwischen wieder beim deutschen Wähler ankommt: Am 29.11. soll ein Interview-Buch erscheinen, in dem er angeblich die Plagiats-Affäre reflektiert. "Zu Guttenberg spricht über seine Herkunft, seine Familie, über die Zeit als politischer Überflieger im Wirtschafts- sowie im Verteidigungsministerium, über seinen Umgang mit den eigenen Fehlern, über die Zeit nach dem Rücktritt – und über die Voraussetzungen für die Rückkehr eines immer noch enorm populären Politikers." (stern.de)

"The Baron" läßt nichts anbrennen. Dabei ist in D noch nicht einmal das Ermittlungsverfahren gegen ihn abgeschlossen - womöglich wird Anklage erhoben und am Ende könnte der saubere Herr sogar vorbestraft sein. Im übrigen wird gemunkelt, dass Karl-Theodor auf Geheiß des Herrn Papa an einer neuen Doktorarbeit bastelt. Nimmt der Schrecken denn nie ein Ende?


Hier habe ich noch ein paar Beiträge zum Werdegang des "Politstars" herausgepickt:
09.02.2009 Frisch zum Wirtschaftsminister gekürt, nachdem Glos hingeschmissen hatte. stern.de: "Der FDP-Politiker und langjährige Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle, der nach der Bundestagswahl selbst gerne Wirtschaftsminister werden möchte, spottet: >Offenbar genügt es in der Union, dass man lesen und schreiben kann, um Wirtschaftsminister zu werden.<" http://www.stern.de/politik/deutschland/wirtschaftsminister-guttenberg-frisches-blaublut-fuer-berlin-654198.html  

10.02.2009 sueddeutsche.de: "Glos' Nachfolger sollte erstens aus der CSU-Bundestagsfraktion kommen, zweitens dem CSU-Bezirk Oberfranken angehören (weil Landwirtschaftsministerin Aigner aus Oberbayern kommt) und außerdem ein loyaler Seehofer-Mann sein. Innerparteilicher Proporz vor fachlicher Eignung und persönlicher Autorität. Während Barack Obama in Washington die besten Köpfe des Landes um sich versammelt, bekommen wir hier parteipolitisches Klein-Klein serviert." http://www.sueddeutsche.de/politik/neuer-wirtschaftsminister-guttenberg-der-staat-als-beute-der-parteien-1.492394

16.03.2009 welt.de: "Nun ist Guttenberg fast einen Monat Bundeswirtschaftsminister ... Aus Textbausteinen wie „prüfen“, „Geduld“, „sorgfältig“ und „verantwortungsvoll“ windet er immer neue Wortgirlanden, die bedeutsam aussehen, ohne viel zu bedeuten. ... Guttenberg hat das Wesen seiner neuen Tätigkeit blitzschnell verstanden."
http://www.welt.de/wirtschaft/article3387129/Die-Feuertaufe-fuer-Wirtschaftsminister-Guttenberg.html